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Forest Bathing: Ein Bad im Wald

Sonnenstrahlen fallen schräg durch das grüne Blätterdach. Der Boden ist weich, es riecht nach Baumharz, Erde und Moos. Irgendwo in der Nähe summt ein Insekt, Vögel zwitschern. Der Wald im Sauerland– gibt es einen schöneren Ort, um zur Ruhe zu kommen?

 

Schon ein einfacher Waldspaziergang entspannt die Nerven und belebt gleichzeitig wie eine Sauerstoffdusche. Ungleich größer ist die Wirkung jedoch, wenn man mit allen Sinnen gleichsam in den Wald eintaucht: Forest Bathing, also Baden im Wald, heißt dieser in Europa noch relativ neue Wellnesstrend mit nachgewiesener therapeutischer Wirkung.

 

Bewusst entschleunigen, riechen, hören, tasten, die Ruhe des Waldes in sich aufnehmen – ist das jetzt wieder so eine esoterisch angehauchte Modeerscheinung? „Nein“, sagt Leander Diedrich, Gastgeber des Romantik Wellnesshotels Diedrich im sauerländischen Hallenberg. „Die Methode stammt aus Japan, ist dort umfangreich wissenschaftlich erforscht worden. Dabei wurde nachgewiesen, dass Forest Bathing eine gesundheitsfördernde Wirkung auf den menschlichen Körper hat.“ Er und sein Bruder bieten deshalb in ihrem Hotel geführte Forest-Touren an, auf Wunsch begleitet von einer Yogalehrerin oder einem Physiotherapeuten.

Bei einer Studie japanischer Wissenschaftler wurden Probanden vor und nach einer mehrtägigen Forest-Bathing-Anwendung eingehend untersucht. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Die Adrenalinkonzentration im Körper nahm ab, wohingegen die Zahl der körpereigenen Abwehrzellen um rund 50 Prozent stieg. Blutdruck und Cortisolspiegel sanken. Das Immunsystem wurde also deutlich gestärkt, während das Risiko für stressbedingte Zivilisationskrankheiten wie Burn-out und Herzinfarkt sank.

 

Dies liegt unter anderem an den sogenannten Phytonziden, biologischen Wirkstoffen, die die Pflanzen im Wald produzieren und an ihre Umgebung abgeben, um sich vor Bakterien zu schützen. Beim Menschen bewirken Phytonzide eine Stärkung der Abwehrkräfte. Deshalb wurde Forest Bathing in Japan sogar als Therapieform in den Leistungskatalog der Krankenkassen aufgenommen.

 

Beim Bad im Wald kommt es darauf an, in aller Ruhe und so intensiv wie möglich die Eindrücke des Waldes in sich aufzunehmen. Tief durchzuatmen, Klänge, Düfte und Farben quasi aufzusaugen – achtsam zu sein. Unterstützt werden kann dies durch Yoga oder Atemübungen. Stark frequentierte Spazierwege eignen sich dazu nicht. Ob allein oder in der Gruppe – wer es einmal ausprobieren möchte, kann auch ganz ohne Anleitung die wohltuende Wirkung eines intensiven Waldaufenthaltes genießen.